Was ist geplant?

Die Geschichte Bambergs seit dem Frühen Mittelalter lässt sich nicht auf wenigen Seiten zusammenfassen. Daher sind drei umfangreiche Bände (Vor- und Frühgeschichte, Mittelalter; Frühe Neuzeit; Neuzeit und Zeitgeschichte) vorgesehen, die die politischen, sozialen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Entwicklungen umfassend berücksichtigen.

Zweidlerplan

Die konzeptionelle Planung die Einzelbände liegt in der Hand namhafter Historiker der Universitäten Bamberg und Erlangen. Die Erstellung der einzelnen Beiträge wird von  Spezialisten wahrgenommen, die sich auch der gegenwärtig laufenden, auf Quellenarbeiten beruhenden Datenerfassungen bedienen können. Die Herausgeber sind dabei offen für Hinweise auf qualifizierte Mitarbeiter. Bitte setzen Sie sich hierzu mit der Koordinationsstelle (s. Kontakt) in Verbindung.

Strukturen und Ereignisse, chronologische und thematische Aspekte werden in der Stadtgeschichte miteinander verbunden. Einzelne Schlaglichter und biographische Profile stellen in jedem Band Ereignisse und Persönlichkeiten vor, die die Geschichte Bambergs in besonderem Maße prägten. Zahlreiche farbige Darstellungen, Karten und Statistiken runden die Darstellung ab. So entsteht ein lebendiges Bild der Stadt seit ihrer Entstehung bis in die heutige Zeit.

Der erste Band: Bamberg im Mittelalter

Judenstraße 1

Der erste Band umfasst die Epoche des Mittelalters bis etwa zum Jahr 1500. Er entsteht unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus van Eickels (Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte, Universität Bamberg); vorgesehen ist ein Erscheinen im Jahr 2015.

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Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung der Stadtgemeinde als politischer Größe und als unmittelbarer Lebensraum ihrer Bewohner – der Ort also für machtpolitische Auseinandersetzungen und Verwaltung, für Handel und Handwerk, für tiefe Frömmigkeit und religiöse und weltliche Feiern.

Die Teilung Bambergs in verschiedene Immunitäten (Sonderbezirke des Domkapitels und der geistlichen Stifte) mit jeweils eigener Verwaltung und (Nieder-)Gerichtsbarkeit ließ das Bewusstsein einer gemeinsamen Identität nur zögerlich aufkommen. Wie dies in den Umbrüchen des 15. Jahrhunderts, vor allem durch den so genannten „Immunitätenstreit“, dennoch immer versucht wurde, wird eine der Leitfragen des Bandes sein.

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Weitere Fragen, denen die Autoren nachgehen, betreffen die gesellschaftliche Struktur und die sozialen und religiösen Gruppen, die in der Stadt lebten. Hierzu gehören etwa die Welt- und Ordensgeistlichen, die Mönche und Nonnen in den zahlreichen Klöstern und Stiften, die Kaufleute und Handwerker, aber auch Gruppen am Rande oder außerhalb der Gesellschaft.

Aus den Quellen ist etwa bekannt, dass seit der Gründung des Bistums Bamberg im Jahr 1007 eine jüdische Gemeinde in der Stadt bestand. Doch sind nach wie vor viele Fragen des jüdischen Lebens, auch des Zusammenlebens mit den christlichen Mitbürgern, und der Ausweisung der Juden Ende des 15. Jahrhunderts ungeklärt.

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Mehrere Schlaglichter beleuchten zudem ausgewählte Einzelaspekte und Persönlichkeiten der Stadtgeschichte und werfen einen kritischen Blick auf beliebte Legenden und Erzählungen.

So hält sich etwa hartnäckig die Legende, das Bamberger Brückenrathaus sei an der Grenze von Domimmunität und Stadtgericht entstanden. Diese und viele weitere Legenden über den Standort und die Erbauung werden in einer eigenen Skizze dargestellt und hinterfragt.

In einem anderen Abschnitt wird das Leben und Wirken der Katharina Zollner, der Gründerin und zweiten Äbtissin des Bamberger Klarissenklosters, vorgestellt. Sie behauptete sich als junge Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft und gründete im Jahr 1341 ein Kloster, das sich besonders bei wohlhabenden, bürgerlichen und adeligen Frauen aus Bamberg und Nürnberg großer Beliebtheit erfreute und zu Wohlstand und Ansehen kam.

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Auch weitere Fragen der Versorgung von Frauen im Mittelalter werden thematisiert und an den Bamberger Verhältnissen dargestellt.

Der zweite Band: Bamberg in der Frühen Neuzeit

Der zweite Band der Bamberger Stadtgeschichte behandelt die “Frühe Neuzeit”, also die drei Jahrhunderte zwischen 1500 und der Säkularisation 1803. Er wird konzipiert von Prof. Dr. Mark Häberlein (Lehrstuhl für Neuere Geschichte, Universität Bamberg) und soll bis zum Jahr 2016 fertiggestellt sein.

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Reformation und Gegenreformation, Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen, aber auch barocke Frömmigkeit und die Aufklärung bestimmten das Leben der Bamberger Bürgerschaft in der Frühen Neuzeit.

Die konjunkturellen Krisen spiegeln sich etwa wider in den Rechnungsbüchern des Bamberger Waisenhauses (heute Jugendgästehaus) am Kaulberg. Die Bücher und die Jahresergebnisse wurden bereits in einer Datenbank erfasst und werden nun ausgewertet. Sie erlauben einen aufschlussreichen Einblick in die Finanzverwaltung einer städtischen Institution des 17. und 18. Jahrhunderts, die mit vielen Institutionen der Landes- und Stadtverwaltung verbunden war. Zudem vermitteln sie ein Abbild des harten Lebensalltags der Waisen, die in der vormodernen Sozialstruktur weit unten angesiedelt waren; dennoch sind schon Ansätze von individueller Fürsorge erkennbar, die heute Teil des “sozialen Netzes” ist.

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Ein besonderes Augenmerk liegt wiederum auf dem sozialen Gefüge und der wirtschaftlichen Entwicklung Bambergs. Wie gestaltete sich bürgerliches Leben angesichts der Unsicherheiten und Krisen, die besonders im 17. Jahrhundert die Menschen heimsuchten? Welche Folgen hatten sie für das Zusammenleben, die städtische Politik und die Mentalität der Bürger?

So wird etwa die Frage eine Rolle spielen, wie sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die so genannte „kleine Eiszeit“, die in weiten Teilen Europas zu Ernteausfällen und sozialen Spannungen führte, auf die Bamberger Gesellschaft auswirkte. Waren die klimatischen Extreme ein Grund für die Hexenverfolgungen? – Ein Themenbereich, der aus vielen Gründen heute aktueller ist denn je!

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Die Epoche der Frühen Neuzeit brachte aber auch zahlreiche Persönlichkeiten hervor, die – obwohl heute weitgehend unbekannt – für ihre Stadt dennoch ungemein bedeutend waren und deren Spuren zum Teil bis heute sichtbar sind. Aus jedem der drei Jahrhunderte zwischen 1500 und 1800 sollen in diesem Band Menschen vorgestellt werden, die auf ihre Weise aus ihrer Zeit und Umgebung herausragten.

Beispielsweise predigte in den 1520er Jahren der heute weitgehend unbekannte Johann Schwanhausen, der damalige Kustos des Stifts St. Gangolf, bis zu seiner Vertreibung aus Bamberg reformatorisch und scharte besonders aus der städtischen Unterschicht eine große Anhängerschaft um sich.

Bürgermeister Johann Junius wurde hundert Jahre später Opfer der großen Hexenverfolgung in der Stadt, um die sich nach wie vor unzählige Legenden ranken. Ihr Wahrheitsgehalt soll durch die neuen Forschungen überprüft und ergebnisoffen hinterfragt werden. Der Brief, den Bürgermeister Junius mit gebrochenen Händen 1628 aus dem Hexengefängnis an seine Tochter schrieb, wird momentan ediert. Er könnte als einzigartiges Zeugnis der Hexenverfolgung in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen werden.

Wie kaum ein Zweiter machte sich um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert der Arzt Adalbert Friedrich Marcus um Bamberg verdient. Ihm ist es zu verdanken, dass die damals verfallene Altenburg als markantes und weithin sichtbares Wahrzeichen auch heute über der Stadt thront. Zudem sorgte er sich durch vielfältige Maßnahmen besonders um die Gesundheitsversorgung der Bürger.

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Der dritte Band: Bamberg in der Neuesten Zeit

Der abschließende dritte Band der Bamberger Stadtgeschichte spannt den Bogen von der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Jahrtausendwende. Seine Konzeption stammt von Prof. Dr. Werner K. Blessing (Lehrstuhl für Bayerische und Fränkische Landesgeschichte, Universität Erlangen). Das Erscheinen des Bandes ist für das Jahr 2018 vorgesehen.

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Tiefe Zäsuren durchziehen die Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert. Die sich immer stärker beschleunigende politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung machte auch vor Bamberg und seinen Bürgern nicht halt.

Industrialisierung und Verstädterung drückten dem Stadtbild ihren unverwechselbaren Stempel auf. Die Stadtfläche und die Bewohnerzahl wuchsen stark an, eine neue gesellschaftliche Schicht aus Arbeitern und Angestellten, sozialdemokratisch oder katholisch geprägt, suchte sich ihren Platz innerhalb der Bürgerschaft. Die Sozialstruktur der ehemaligen Residenzstadt wandelte sich dadurch erheblich.

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Besonders zu diesen beiden Jahrhunderten liegen in den Archiven reiche Quellen vor, die detailliert Auskunft geben über zahlreiche Aspekte gesellschaftlichen und privaten Lebens: über Arbeitsbedingungen und unternehmerische Initiativen, über bürgerliche und religiöse Vereine und politische Gruppierungen, über Freizeitmöglichkeiten und kulturelle Angebote, über kirchliche und weltliche Feiern und Feste.

Die Quellen schweigen auch nicht über das Leben der Bamberger Bürger in Zeiten weltweiter Krisen und politischer Katastrophen, die im 20. Jahrhundert das Schicksal der Menschen maßgeblich bestimmten.

Hans Wölfel

Dadurch kann gerade der Lebensalltag der ‚kleinen Leute’ aus dem Dunkel der Überlieferung gehoben werden. So lassen sich auch Fragen beantworten, wie: Welche Zeitungen lasen die Bamberger? Wohin gingen sie zum Spazieren und ins Kino? Oder: In welchen Vereinen engagierten sie sich und welche Parteien wählten sie?

Aber es geht auch um Fragen nach persönlichem und strukturellem Versagen in der Zeit des Nationalsozialismus, nach Verfolgung, Widerstand und Resistenz, nach begeisterter Gefolgschaft und radikaler Ablehnung.

Die Quellen geben zudem Auskunft über den schwierigen Neubeginn nach 1945. Zwar trafen die Bomben der Alliierten Bamberg nicht so sehr wie Nürnberg oder Würzburg, doch auch in der Domstadt mussten Trümmer beseitigt und Notunterkünfte für die einheimische Bevölkerung und die großen Flüchtlingsströme bereitgestellt werden.

In der Bundesrepublik entwickelte sich in Bamberg eine neue Gesellschaft mit veränderten Ansprüchen und Strukturen. Die Stadt steht vor neuen Herausforderungen, deren Folgen noch kaum abzuschätzen sind.

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Mehrere Schlaglichter beleuchten auch in diesem Band ausgewählte Aspekte Bamberger Geschichte. Sie reichen vom Entstehen der Bamberger protestantischen Gemeinde St. Stephan nach der Säkularisation bis zum Ende der ERBA in den 1990er Jahren.

In kurzen Skizzen werden zum Beispiel das Wachstum der Stadt in Richtung Osten im 19. Jahrhundert – Stichwort Fabrikgelände Weyermann und Kasernenbauten -, die „Bamberger Verfassung“ zu Beginn der Weimarer Republik - die erste demokratische Verfassung Bayerns! - und der Wiederaufbau der Bamberger Brücken nach dem Zweiten Weltkrieg geschildert.

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